Warum arbeiten wir überhaupt?

Der offensichtlichste Grund um zu arbeiten ist der, Geld zu verdienen. Ich will mir und vielleicht meiner Familie ein abgesichertes Leben bieten, die Miete muss bezahlt, Grundbedürfnisse gedeckt und vielleicht der Urlaub finanziert werden. Darüber hinaus gibt es aber viele andere Faktoren, die keinesfalls unwichtiger sind.

Vielleicht habe ich mir den Pflegeberuf ausgesucht, weil ich einer Berufung folge oder ein bestimmtes Talent habe oder den Wunsch, nach einer für mich persönlich sinnvollen und erfüllenden Tätigkeit.

Jeder möchte gerne einen guten Arbeitgeber für sich finden. Einen Arbeitgeber, der mindestens angemessen bezahlt, bei dem man sich wohlfühlt. Einen Arbeitgeber, bei dem man für seine Leistung Wertschätzung erfährt und im Idealfall auch noch gefördert wird, der vielleicht auch mal auf die persönlichen Belange Rücksicht nimmt.

Warum ist das in der Pflege oft so schwer? Im Rahmen meiner Tätigkeiten in der Pflegebranche höre, sehe, lese ich sehr oft über Mitarbeitende, die in ihrem Beruf unzufrieden sind. Pflegekräfte fühlen sich ausgenutzt, arbeiten in ständiger Unterbesetzung, werden zum Einspringen genötigt, haben dreistellige Überstunden. Vorgesetzte hören nicht zu/interessieren sich nicht für die Probleme oder üben gar zusätzlich massiven Druck aus. Das, was sich viele Pflegekräfte zurecht wünschen und erwarten dürften, nämlich Wertschätzung für ihre Tätigkeit, fehlt an vielen Stellen.

Ich frage dann oft:

„Warum arbeitest du denn dann dort? Bei dem bekannten Personalmangel in der Pflege, ist es doch kein wirkliches Problem, den Arbeitgeber zu wechseln?“

Die Antworten sind nicht selten durchaus ehrenhaft, aber auch nicht wirklich lösungsorientiert. Ein Wechsel des Arbeitgebers wird nicht in Betracht gezogen, weil man die KollegInnen nicht im Stich lassen will oder man aufgrund eines hohen Verantwortungsgefühls für die KlientInnen nicht wechselt. Nicht selten ist auch eine hohe Frustration und Angst spürbar, es könnte ja anderswo noch schlimmer sein.

Warum arbeiten wir in der Pflege?

Und tatsächlich ist es so, dass sehr viele Mitarbeitende in der Pflege unter manchmal haarsträubenden Umständen arbeiten. Das reicht von Verstößen gegen das Arbeitszeitgesetz, wenn es beispielsweise um das Thema „Einspringen“ geht, über die Zahlung von Mindestlöhnen bis hin zur gezielten Ausbeutung und Einschüchterung durch Vorgesetzte. Beispiele gibt es leider genügend.

So etwas macht krank im Sinne des Wortes, körperlich und seelisch. Ich empfehle deshalb betroffenen Pflegekräften immer eine einfache Regel:

Prüfe für dich persönlich, ob du bei deinem Arbeitgeber etwas positiv verändern und daran mitarbeiten kannst und das willst. Wenn du diese Frage für dich mit „Nein“ beantwortest, solltest du dich nach einem besseren Arbeitgeber umsehen.

Damit kommen wir zur „Gretchen-Frage“:

Wie finde ich denn einen guten Arbeitgeber?

Zunächst mal ist es sinnvoll, eigene Rahmenbedingungen als Grundlage für die Suche festzulegen:

  • Wie mobil bin ich? Komme ich mit dem eigenen Auto, will ich öffentliche Verkehrsmittel nutzen? Wie weit bin ich bereit zu fahren?
  • Welchen Stellenumfang möchte ich gerne haben? Wie viele Wochenstunden will ich arbeiten? Viele Arbeitgeber möchten diese Information auch gerne in einem Bewerbungsanschreiben erkennen.
  • Was will ich verdienen? In der Pflegebranche ist vieles möglich. Es gibt Arbeitgeber die weit unter Tarif nur einen Mindestlohn zahlen und auch ein paar wenige, die über Tarif zahlen. Ich empfehle grundsätzlich aber immer, mindestens einen Arbeitgeber mit Tarifbindung zu suchen.
  • Lieber größer oder kleiner? Es gibt große und kleine ambulante Pflegedienste, Altenhilfe-Einrichtungen, Krankenhäuser usw. Beides kann Vor- und Nachteile haben, vielleicht habe ich da aus Erfahrung eine Tendenz? Will ich lieber zu einem privaten Anbieter oder zu einem im öffentlichen Dienst? Auch diese Frage sollte man sich stellen und das jeweilige pro und contra genau abwägen.

Diese vier Punkte sind beispielhaft für eigene Rahmenbedingungen die man im Vorfeld festlegen kann. Nun geht es weiter mit Faktoren, die ich konkret vor Ort bei meinem zukünftigen Arbeitgeber vorfinden will und die mir für meine Arbeit wichtig sind. Auch hier einige Anregungen und Beispiele, die man für seine Suche festlegen kann und auf die wir genauer eingehen:

Arbeit, Freizeit und persönliche Entwicklung

Die berühmte Work-Life-Balance ist wichtig. Wie ist der Dienstplan gestaltet? Kann ich Wünsche äußern? Gibt es eine klare Dienstplanstruktur, beginnend bei der rechtzeitigen Bekanntgabe, über die Einhaltung, bis hin zum grundsätzlich ausgeglichenen Arbeitszeitkonto. Gibt es Angebote des Arbeitgebers, die meine persönliche Entwicklung positiv beeinflussen oder Angebote, die meine Gesundheit fördern? Wie sieht meine persönliche Planung im Hinblick auf Fort- und Weiterbildung aus, wird diese unterstützt?

Soziales und ethisches Verhalten

Hier geht es um Fragen wie Gleichstellung am Arbeitsplatz oder Inklusion. Auch Fragen, ob der Arbeitgeber positive Beiträge für Gesellschaft und Umwelt leistet, können hier wichtig sein. Viele Arbeitgeber in der Pflege haben ein sehr ethisch geprägtes Leitbild, finden sich darin überprüfbare Punkte? Lege ich Wert auf einen Arbeitgeber, der vielleicht auch ethisch-soziale Aspekte vertritt, die ich für mich als Wertevorstellung habe?

Image und Kultur

Gibt es beispielsweise im Internet positive Berichte über den Arbeitgeber? Hier kann man auch verschiedene Plattformen und Arbeitgeber Bewertungsportale nutzen um sich einen Überblick zu verschaffen. Dabei kommt es gar nicht immer darauf an, ob der Arbeitgeber nur positiv bewertet wird, wesentlich ist, wie er auf Kritik reagiert. Eher defensiv und verteidigend oder bietet er an, sich mit kritischen Kommentaren zu beschäftigen?

Gute Arbeitgeber in der Pflege gibt es!

Wenn meine individuellen Grundlagen nun festgelegt sind, kann ich mich konkret auf die Suche machen. Vorab: Gute Arbeitgeber, wie wir sie suchen, gibt es! Man sollte sich aber bewusst sein, diese wollen in aller Regel auch gute Mitarbeitende und stellen – selbst bei vakanten Stellen – bewusst nicht jeden ein!

Bereite also eine Bewerbung vor, die aussagekräftig ist und mindestens ein formuliertes (und ehrliches) Anschreiben sowie einen beruflichen Lebenslauf enthält. Auch ein sympathisches Foto ist immer noch von Vorteil. Sinnvoll ist auch, Kopien von qualifizierten Berufsabschlüssen oder wesentlichen Weiterbildungen mit in die Bewerbung zu geben.

Da heute die allermeisten Arbeitgeber in der Pflege Online–Bewerbungsportale auf ihrer Internetseite anbieten, ist es recht einfach sich zu bewerben. Meine persönliche Erfahrung ist, dass mindestens 80% aller eingehenden Bewerbungen diese einfachen o.g. Grundvoraussetzungen nicht erfüllen. Da ich mich zu den guten Arbeitgebern zähle, nehme ich eben auch nicht jeden und solche Bewerbungen erhalten bei mir nur eine Chance, wenn der Bewerber die fehlenden Unterlagen innerhalb weniger Tage nachreicht. Tut er das nicht, gehe ich aus Arbeitgeberperspektive völlig zurecht davon aus, dass kein ernsthaftes Interesse besteht und sage ab. So verfahren die allermeisten der von uns gesuchten guten Arbeitgeber. Investiere also etwas Zeit in die Vorbereitung.

Arbeiten in der Pflege

Kommt es nun zum Vorstellungsgespräch, ergibt es Sinn, sich darauf auch mit eigenen Fragen vorzubereiten. Ein gutes Vorstellungsgespräch wird den Raum für eigene Fragen bieten. Diese Fragen und natürlich deren Beantwortung sollten helfen, eine konkretere Einschätzung zu erhalten, ob dies vielleicht mein künftiger Arbeitgeber werden kann.

Vielleicht hast du dich im Internet bereits ausführlich auf der Seite des Arbeitgebers informiert, dir einige Fotos angesehen. Wenn du vielleicht eine halbe Stunde vor dem vereinbarten Termin da bist, lässt sich diese Zeit nutzen, um einen ersten Blick zu riskieren. Wie wirkt das Gebäude oder die Räumlichkeiten insgesamt auf dich? Wirken Mitarbeitende und Klienten, denen du begegnest, traurig, unruhig, gestresst, gehetzt oder ist die Atmosphäre eher freundlich und entspannt?

Im Gespräch solltest du gezielte Fragen stellen, um weitestgehend heraus zu finden, wie dein vielleicht baldiger Arbeitgeber ein paar wesentliche Dinge für ein gutes und organisiertes Arbeiten regelt. Diese Fragen (und die Antworten darauf) können Eckpfeiler sein, an denen sich vieles ablesen und erkennen lässt. Hier einige Beispiele:

Fragen für das Vorstellungsgespräch

  1. Wann wird der Dienstplan ausgehängt?
    Grundsätzlich gilt, dass ein Dienstplan den Mitarbeitenden mindestens 14 Tage vorher zur Kenntnis gegeben wird. Von daher kann es eigentlich nur eine Antwort auf diese Frage geben. Wird hier ausweichend geantwortet, liegt der Verdacht nahe, das das Thema Dienstplanung generell nicht wirklich gut geregelt ist.
  2. Wie wird mit der Thematik „Einspringen“ umgegangen?
    Eine Antwort, die sinngemäß aussagt, dass man mit deiner Flexibilität rechnet, sollte dich vorsichtig stimmen. Ein guter Arbeitgeber wird hierzu eine klare Regelung und ein Konzept haben, das er benennen kann und das rechtlich einwandfrei ist. Grundsätzlich sollte immer erkennbar sein, dass der Arbeitgeber seine Regelungen an den arbeitsrechtlichen und ggf. tariflichen Vorgaben ausrichtet. Im Tarifrecht zahlen beispielsweise Arbeitgeber eine Sonderprämie (mindestens 30€) für jeden Tag, den der Arbeitnehmer einspringt extra.
  3. Gibt es Regelungen zur Erbringung von Mehrarbeit und Überstunden?
    Mehrarbeit und Überstunden können in vielen Berufen anfallen, so natürlich auch in Pflegeberufen. Hat der Arbeitgeber dazu Regelungen, wie beispielsweise ein Ampelsystem, das ihm aufzeigt, ab wann ein Mitarbeitender zu viele Stunden aufbaut, ist das ein Qualitätsmerkmal. Gut organisierte Bereiche werden darüber hinaus sicherlich keine dreistelligen Mehrarbeitszahlen pro Mitarbeitenden ausweisen, sondern höchstens im zweistelligen unteren Bereich liegen. Übrigens auch ein guter Anhaltspunkt dafür, dass genügend Personal eingestellt ist. Spätestens bei einer Hospitation sollte sich die Gelegenheit bieten, Dienstpläne mal einzusehen und auf diese Punkte hin zu prüfen.
  4. Wie viel Urlaub bekomme ich und wie wird dieser verplant?
    Laut Bundesurlaubsgesetz beträgt der jährliche Mindesturlaub 24 Werktage. Bietet der Arbeitgeber genau diesen Mindesturlaub an oder liegt er darüber (Tarifregelwerke gehen von mindestens 30 Werktagen aus)? Meine Erfahrung ist, Mindesturlaub bedeutet meist auch Mindestlohn und das wiederum bedeutet oft, das Vorsicht geboten ist.
    Die Möglichkeit, Urlaub selbst z.B. in Absprache mit dem Team planen zu können und weit im Vorfeld genehmigt zu bekommen, ist bei den allermeisten guten Arbeitgebern ebenfalls völlig üblich.
  5. Wie viel Gehalt bekomme ich? Gibt es Vergünstigungen? Weihnachtsgeld?
    Diese Frage ist natürlich von vielen ungern gestellt und wirkt für manche sogar peinlich. Diese Haltung sollte man nicht haben. Ein guter Arbeitgeber wird bereitwillig Auskunft geben und zumindest einen Bruttolohn nebst Zulagen klar benennen können. Dasselbe gilt für Vergünstigungen, Weihnachtsgeld oder Gratifikationen. Gute Arbeitgeber können und werden gegenüber einem Bewerber dazu konkrete Aussagen machen. Ebenfalls wird ein guter Arbeitgeber Angebote für seine Mitarbeitenden haben, die er freiwillig macht. Das können gesponserte Beiträge für ein Fitnessstudio sein, Vergünstigungen bei Monatstickets, Gutscheine oder auch ein Firmenleasing für Fahrräder. Hier gibt es bei guten Arbeitgebern viele innovative Ideen.
  6. Welche Fortbildungen werden Angeboten, wer kann daran teilnehmen?
    Gute Arbeitgeber haben nicht nur einen Fortbildungsplan den man bei Bedarf im Vorstellungsgespräch sehen oder sich mitnehmen darf, sie haben ein Fortbildungskonzept. Dieses Konzept beinhaltet immer eine individuelle Förderung und auch Wunschmöglichkeiten zur persönlichen Entwicklung und sind für den Arbeitnehmer kostenlos. Ein wesentlicher Aspekt kann in diesem Zusammenhang auch sein, ob der Arbeitgeber seine Leitungskräfte (dazu gehören auch Fachkräfte/Schichtleitungen) in Leitungsthemen schult und unterstützt. Gibt es Coachings/Supervisionen, Mediationen? Ein guter Arbeitgeber legt viel Wert auf funktionierende Hierarchien, diese sind aber geprägt durch Handlungen auf Augenhöhe mit den Mitarbeitenden und Transparenz.
  7. Wie „fortschrittlich“ ist der Arbeitgeber?
    Hier gilt es auf mehrere Punkte einzugehen. Gibt es eine digitale Dokumentation und Dienstplanung? Wie ist die Ausstattung der Mitarbeitenden und der Bereiche? Ein fortschrittlicher Arbeitgeber wird moderne Dokumentationssysteme und andere Dinge aus diesem Bereich umgesetzt und sicher in der Anwendung haben, Mitarbeitende werden geschult und eingearbeitet. Vielleicht stellt sich auch die Frage, was ist in nächster Zeit geplant. Gibt es eine Planung im Bereich Fortbildung zum Blended-Learning oder diese wird schon praktiziert? Nicht zuletzt (in der Hospitation später auch gut prüfbar) ist auch der eigentliche Arbeitsplatz gut und angemessen ausgestattet? Vom Mobiliar bis zur Ausstattung der Mitarbeitenden mit vielleicht Laptops oder Tabletts gibt es hier viele Möglichkeiten, die einen fortschrittlichen Arbeitgeber auszeichnen können.

Vorstellungsgespräch Pflegeberuf

Nach dem Vorstellungsgespräch

Ist das Vorstellungsgespräch gut gelaufen, folgt in aller Regel eine Hospitation. Hier solltest du die Möglichkeit nutzen, genauer hinzusehen. Erlebe ich das, was mir im Vorstellungsgespräch erzählt wurde auch vor Ort?

Nutz‘ die Möglichkeit, Fragen zu stellen und Eindrücke zu sammeln. Die bereits im Unternehmen tätigen Mitarbeitenden sind meist sehr offen und ehrlich gegenüber Bewerbern. Wie zufrieden äußern diese sich über den Arbeitgeber? Die einfachste und zugleich effektivste Frage in diese Richtung kann sein: „Arbeitest du gerne hier und wenn ja, warum?“

Wirst du freundlich empfangen oder kommst du dir eher wie ein „Störfaktor“ vor?  Nimmt man sich Zeit für dich und deine Fragen oder macht es eher den Eindruck, dass man nur froh ist, dass heute noch jemand „mit anpackt“?

Nutze deine Fragen und die im Vorstellungsgespräch erhalten Antworten vor Ort erneut, um dein Bild runder zu machen.

Achte auf die Stimmung und das Miteinander im Team. Gibt es im Team einen erkennbaren konstruktiven Austausch über den Alltag, Pflegesituationen und anfallenden Tätigkeiten oder versucht jeder einfach nur „fertig“ zu werden.

Stelle deine Ohren auf. Wie ist der Umgangston zwischen den KollegInnen? Ist dieser Umgangston geprägt von Zuhören und Zuwendung untereinander oder von gegenseitigen Schuldzuweisungen und Abneigungen, gibt es viele „Lästereien“?

Wie ist der Umgang mit Klienten, gehetzt und roh oder freundlich und offen?

Stelle dir selbst auch die Frage, ob du dir vorstellen kannst ,in diesem Team zu arbeiten und ob du dich und deine Qualitäten hier einbringen kannst.

Denke vielleicht auch und besonders an die Dinge, die du bisher bei deinen vorherigen Arbeitgebern als anstrengend und belastend identifiziert hattest, diese solltest du auf keinen Fall erneut erleben oder wahrnehmen.

Zum Ende nimm dir Zeit!

Nimm dir mindestens einen oder mehrere Tage Bedenkzeit. Mache etwas Entspannendes, geh‘ spazieren, trinke vielleicht ein Glas Wein auf dem Balkon und lass deine Eindrücke Revue passieren.

Gehe anhand deiner Fragen, der erhaltenen Antworten und dem was du vor Ort gesehen und erlebt hast, noch mal alles durch. Vergleiche vielleicht im Idealfall mehrere Angebote die du hast. Was sagt am Ende auch dein Bauchgefühl? Würdest du dich freuen, wenn du für den neuen Arbeitgeber tätig sein würdest? Wenn du das mit Ja beantworten kannst, herzlichen Glückwunsch zum neuen und GUTEN Job!